Ratgeber

Bin ich vom LkSG betroffen? Machen Sie den Selbsttest.

1.000 Mitarbeiter sind die magische Grenze, aber die halbe Wahrheit. Ob das Lieferkettengesetz Sie betrifft, entscheidet sich oft nicht an Ihrer Größe, sondern an der Ihrer Kunden. Fünf Fragen bringen Klarheit.

Das Wichtigste in Kürze

Direkt verpflichtet sind Unternehmen mit Sitz oder Zweigniederlassung in Deutschland ab 1.000 Beschäftigten im Inland. Indirekt betroffen ist aber ein Vielfaches davon: Wer Großkunden beliefert, die unter das Gesetz fallen, bekommt deren Pflichten per Fragebogen, Zertifikatsanfrage und Vertragsklausel weitergereicht. Der Selbsttest unten sagt Ihnen in fünf Fragen, zu welcher Gruppe Sie gehören.

Direkt zum Selbsttest

Die 1.000-Mitarbeiter-Grenze ist nur die halbe Wahrheit

Was viele zusätzlich übersehen: Die Pflichten der Großen sind seit der Reform 2026 nicht verschwunden, nur die Berichtspflicht gegenüber dem BAFA ist weggefallen. Die Risikoanalyse, die Prävention und vor allem die interne Dokumentation gelten unverändert weiter. Für Sie als Lieferant heißt das, dass die Fragebögen weiterhin kommen, teils sogar detaillierter als vorher. Was genau gestrichen wurde und was bleibt, steht in unserem Überblick LkSG 2026: Berichtspflicht gefallen, was jetzt gilt.

Selbsttest

Betrifft das LkSG Ihr Unternehmen?

Fünf Fragen, zwei Minuten, keine Anmeldung. Am Ende sehen Sie Ihre Einordnung und was jetzt zu tun ist.

Frage 1 von 5
Wie viele Beschäftigte hat Ihr Unternehmen in Deutschland?

Zählen Sie Leiharbeitnehmer mit, die länger als sechs Monate im Einsatz sind. Bei Konzernen: alle deutschen Konzerngesellschaften zusammen.

Die drei Gruppen im Detail, und warum die Grenzen verschwimmen

Gruppe 1: Direkt verpflichtet

Sie haben Sitz oder Zweigniederlassung in Deutschland und beschäftigen im Inland 1.000 Personen oder mehr. Dann greifen die Sorgfaltspflichten unmittelbar: Risikoanalyse mindestens jährlich und anlassbezogen, Präventionsmaßnahmen bei unmittelbaren Zulieferern, Abhilfe bei festgestellten Verstößen, ein Beschwerdeverfahren und die fortlaufende interne Dokumentation, sieben Jahre aufzubewahren.

Zwei Feinheiten entscheiden häufiger über die Einordnung, als die Zahl vermuten lässt. Leiharbeitnehmer zählen ab sechs Monaten Einsatzdauer mit. Und in Konzernen werden die Beschäftigten konzernangehöriger Gesellschaften der Obergesellschaft zugerechnet, was manche Holding überraschend über die Schwelle hebt. Wer bei 950 Stammkräften plus Dauerleihkräften kalkuliert, sollte genau nachrechnen. Was für diese Gruppe konkret zu tun ist, steht auf unserer Seite für Unternehmen.

Gruppe 2: Indirekt betroffen über die Kundenseite

Das ist die mit Abstand größte Gruppe, Schätzungen zufolge etwa 50.000 Unternehmen in Deutschland. Sie fallen selbst nicht unter das Gesetz, beliefern aber mindestens einen Kunden, der darunterfällt. Der reicht seine Pflichten weiter, und zwar über drei Wege: Selbstauskunft per Fragebogen, Anforderung von Zertifikaten und Nachweisen, und Vertragsklauseln, die bei der nächsten Verlängerung dazukommen.

Rechtlich sind Sie nicht verpflichtet zu antworten. Faktisch entscheidet die Antwort über die Geschäftsbeziehung, weil Ihr Kunde verpflichtet ist zu fragen und Ihre Antwort zu bewerten. Wie Sie auf eine solche Anfrage reagieren, beschreibt unser Leitfaden LkSG-Fragebogen erhalten.

Gruppe 3: Beides gleichzeitig

Die Grauzone dazwischen, und in der Praxis häufiger als gedacht: Unternehmen knapp unter der Schwelle, die selbst große Zulieferer haben. Sie bekommen den Druck von beiden Seiten, von oben die Fragebögen der Konzerne, von unten die eigene Verantwortung für ihre Lieferanten, die die Kunden vertraglich einfordern.

Faktisch führen viele dieser Unternehmen längst ein kleines Sorgfaltsprogramm, nur eben ohne die gesetzliche Pflicht und leider oft auch ohne System. Für sie ist die Frage nach der Betroffenheit ohnehin zweitrangig, weil sie beides brauchen: die Antwort auf eingehende Anfragen und die Prüfung der eigenen Lieferanten.

Was Betroffenheit praktisch bedeutet

Die Einordnung allein hilft wenig, entscheidend ist der Aufwand, der daraus folgt. Grob gerechnet sieht der so aus:

Als direkt Verpflichteter brauchen Sie einen wiederholbaren Jahreszyklus: Lieferantenbestand erfassen und nach Risiko klassifizieren, Selbstauskünfte versenden und nachfassen, Zertifikate einsammeln und Fristen überwachen, Auffälligkeiten bearbeiten und alles dokumentieren. Bei 100 Lieferanten sind das schnell mehrere Wochen Arbeitszeit pro Jahr, verteilt über viele kleine Vorgänge.

Als indirekt Betroffener brauchen Sie keinen Prozess, sondern Antwortfähigkeit: einmal sauber hinterlegte Angaben zu Grundsatzerklärung, Beschwerdeverfahren, Zuständigkeiten und Zertifikaten, aus denen sich jede neue Anfrage beantworten lässt. Der Aufwand entsteht nicht durch die Menge, sondern durch die Wiederholung: Jeder Großkunde fragt anders, und niemand fragt nur einmal.

Wie viele Stunden das in Ihrem Fall sind, rechnet unser Aufwandsrechner für Ihre Lieferantenzahl durch.

Was Sie nach dem Test tun sollten

Unabhängig vom Ergebnis sind diese vier Schritte sinnvoll, weil sie die Grundlage für jede kommende Regelung bilden.

  1. Bestandsaufnahme. Alle aktiven Lieferanten an einem Ort erfassen, mit Ansprechpartner, Land und einer groben Risikoeinschätzung. Solange diese Liste in mehreren Tabellen bei mehreren Personen liegt, ist jede weitere Maßnahme unsicher.

  2. Selbstauskünfte wiederholbar machen. Einmal jährlich, mit festem Fragebogen und automatischem Nachfassen. Rundmail-Aktionen erzeugen Rückläufe, die niemand systematisch auswerten kann.

  3. Zertifikatsfristen überwachen. Der häufigste Fehler in der Praxis ist nicht das fehlende Zertifikat, sondern das abgelaufene. Es liegt vor, es sieht gültig aus, und beim Audit stellt sich heraus, dass es seit acht Monaten nicht mehr gilt.

  4. Dokumentation automatisieren. Jede Prüfung und Entscheidung sollte sich mit Zeitstempel von selbst festhalten. Nach dem Wegfall der Berichtspflicht ist genau diese interne Dokumentation der einzige belastbare Nachweis, gegenüber Behörden wie gegenüber Kunden.

Der Blick nach vorn

Die europäische CSDDD greift ab 2029 zwar nur noch bei sehr großen Unternehmen ab 5.000 Mitarbeitern, doch der Mechanismus bleibt derselbe. Die Pflichten der Großen werden zu Anforderungen an die Kleinen. Wer heute einen sauberen Prozess für Selbstauskünfte und Nachweise aufbaut, ist für jede kommende Regelung vorbereitet, egal wie sie am Ende heißt.

Hinzu kommt eine Entwicklung, die unabhängig von der Gesetzgebung läuft: Große Einkaufsorganisationen haben ihre Lieferantenprüfung inzwischen in Standardprozesse gegossen. Diese Prozesse verschwinden nicht, wenn eine Berichtspflicht entfällt. Sie sind Teil der Lieferantenbewertung geworden, wie Qualität und Liefertermintreue auch.

Häufige Fragen zur LkSG-Betroffenheit

Ab 1.000 Beschäftigten im Inland, bei Sitz oder Zweigniederlassung in Deutschland. Leiharbeitnehmer zählen ab sechs Monaten Einsatzdauer mit, und in Konzernen werden die Beschäftigten konzernangehöriger Gesellschaften der Obergesellschaft zugerechnet.

Ja. Weggefallen ist die Pflicht, jährlich einen Bericht beim BAFA einzureichen. Die Sorgfaltspflichten und die interne Dokumentationspflicht bestehen unverändert fort.

Direkt nein, indirekt sehr wahrscheinlich ja, sobald Sie einen verpflichteten Kunden beliefern. Dann erreichen Sie dessen Anforderungen über Fragebogen, Zertifikatsanfrage und Vertragsklausel.

Gesetzlich nicht. Ihr Kunde ist aber verpflichtet zu fragen und Ihre Antwort zu bewerten, weshalb die Antwort faktisch über die Geschäftsbeziehung mitentscheidet.

Für die Schwelle zählen die im Inland Beschäftigten. In Konzernstrukturen werden die Beschäftigten konzernangehöriger Gesellschaften der Obergesellschaft zugerechnet, weshalb die Berechnung im Einzelfall komplex werden kann.

Als direkt Verpflichteter drohen Bußgelder bei schweren Verstößen, seit der Reform allerdings bei deutlich weniger Tatbeständen als zuvor. Als Zulieferer droht kein Bußgeld, sondern der Verlust von Aufträgen, weil Ihr Kunde seine Lieferantenbewertung an den Nachweisen ausrichtet.

Mindestens einmal jährlich und zusätzlich anlassbezogen, etwa bei neuen Lieferanten, veränderter Geschäftstätigkeit oder konkreten Hinweisen auf Verstöße.

Nein. Der Test gibt eine erste Einordnung anhand der wichtigsten Kriterien. Bei komplexen Konzernstrukturen oder Grenzfällen an der Schwelle sollten Sie rechtlichen Rat einholen.

Der nächste Schritt

Egal welches Ergebnis: Das Werkzeug ist dasselbe

Ob Sie selbst prüfen müssen oder geprüft werden: Im Kern geht es immer um dieselben vier Dinge, und genau die bildet Liefertreu ab. Verpflichtete nutzen es für ihre Risikoanalyse, Zulieferer für ihre Antworten und Nachweise, und viele für beides gleichzeitig.

  • Alle Lieferanten und Nachweise an einem Ort, statt in Excel-Listen und Postfächern
  • Selbstauskünfte per Link versenden oder beantworten, mit KI-Vorauswertung
  • Zertifikate mit automatischer Ablaufüberwachung, 90, 30 und 7 Tage vorher
  • Dokumentation, die sich mit Zeitstempel von selbst schreibt, sieben Jahre abrufbar

Jetzt anfragen
Egal welches Ergebnis: Das Werkzeug ist dasselbe